Sonderausstellung
 
Sonderausstellung "Experimentelle Jacquardweberei" von Vivian Christlein


vom 10. März 2020
bis Herbst 2020
 
Vivian Christlein schreibt:

Ich arbeite seit vielen Jahren in der Textilindustrie.

Zutiefst vertraut mit der Technik der Jacquardweberei interessiert es mich inwieweit man die Webmaschinen ausreizen und vom Design an die Grenze der Kunst gelangen könne.

Seit 2012 nehme ich an dem jährlichen Kunstfestival "48Stunden Neukölln" in Berlin teil, nur für ein Wochenende und immer mit einem Motto, für das ich großzügiger Weise von meinen Geschäftsführern (Müller-Zell, jetzt Vescom Textiles) die Erlaubnis erhielt meine Ideen dazu zu verwirklichen.

Die Ausstellungen in Berlin finden jedes Jahr in dem Lokal "Föllerei" meiner Freundin Christiane Föll in Neukölln, Berlin, statt.

Es ist spannend, befreiend und inspirierend die Objekte für einen bestimmten Raum zu schaffen und dabei nicht an Verkäuflichkeit oder Reproduzierbarkeit denken zu müssen.

Besonders reizvoll finde ich das Zusammenwirken der Stoffe im Raum, wie sich die Atmosphäre darin völlig verändert, wie sich die Stoffe im wechselnden Licht von außen, wie von innen, verändern.

Dabei sind die Themen der Festivals wie "Verlorenes Paradies", "Perspektivenwechsel", "Satt", "Futur 3", "neue Echtheit", "Schatten" ein besonderer Anreiz sich über textile Ausrucksmöglichkeiten Gedanken zu machen.

Ein Stoff ist nicht nur Kette und Schuss,- da ist die Oberfläche, die wie rauher Wandputz sein kann, oder wie herabgerissene Tapeten; da ist das Licht, welches durchscheint, sich bricht, oder Schatten wirft, da sind Fäden, die wie Spaghetti aus den Mündern hängen können.

Jedes Thema ist wie eine eingekleidete Aufgabe, bei der es mir besondere Freude bereitet meine Erfahrung, mein technisches Wissen und Kreativität voll einsetzen zu können und technische, sowie gestalterische Lösungen zu finden.

Durch die Jacquardmaschinen werden natürlich Grenzen gesetzt, die zu verlassen immer wieder ein starker Anreiz ist: dies kann zum Beispiel durch verrückte Scherlis geschehen oder durch nachträgliches Bearbeiten der Stoffe.

In letzter Zeit finde ich eine besondere Lust darin, meine Textilien weiter zu bearbeiten, Taschen auf zu schneiden, Fäden zu lösen, Falten zu nähen oder sie zu Collagen zu kombinieren.

Dabei bin ich selber immer wieder über die unendlichen Möglichkeiten, die Textilien eröffnen, überrascht.

Es ist ein ewiges Abenteuer, zu dem Sie herzlichst eingeladen sind, mich durch die Ausstellung zu begleiten.