„Man muss das Leben immer ein wenig vorläufig betrachten“
Otto Knopf wurde als Sohn eines Webereiarbeiters in Helmbrechts geboren – dem Ort, der nicht nur seine Heimat, sondern immer auch Mittelpunkt seines Wirkens blieb.
Nach dem Kriegsdienst begann Otto Knopf seine Landlehrertätigkeit in Ahornberg und Oberweißenbach. 1968 wurde er Rektor an der Hauptschule in Helmbrechts, 1972 übernahm er die Leitung der Grundschule, die heute nach ihm benannt ist.
Doch sein Wirken reichte weit über das Klassenzimmer hinaus. Otto Knopf war zwölf Jahre Hauptschriftleiter im Frankenwaldverein, Ehrenvorsitzender desselben, Kreisrat in den Kreistagen Münchberg und Hof. Er unterstützte 25 Jahre im Kindergottesdienst und arbeitete für den Bayerischen Rundfunk. In insgesamt 17 Büchern und unzähligen Veröffentlichungen in Mundart und Hochsprache bewahrte er Erinnerungen, Geschichten, Bräuche und Beobachtungen. Unvergessen sind seine Beiträge zu Weihnachtsfeiern und Heimatabenden, etwa beim VfB Helmbrechts oder im Textilmuseum.
„Geästimiert“ für sein unermüdliches Engagement wurde er in Form zahlreicher Auszeichnungen, vom Frankenwürfel und den Kunstpreis des Landkreises Hof über die Ehrennadel des Bezirks Oberfranken bis zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Jahr 2003.
Auch unser Museum gäbe es ohne Otto Knopf nicht. Die Transformation vom Heimatmuseum zum Textilmuseum unterstützte Otto Knopf mit großem Engagement, seinem tiefen und weitreichendem Wissen, viel Kreativität und Herzblut. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 war er hier aktiv – und so erzählt er auch heute noch auf unseren Bildschirmen den Zuschauerinnen und Zuschauern von Flachsfasern, dem Jacquard-Webstuhl und der mechanischen Weberei bis hin zur Zeit, als Helmbrechts der „Kleiderschrank der Welt“ war.
„Otto Knopf ist einer, der sich beharrlich und liebevoll mit seiner Heimat beschäftigt“, schrieb Irene Gottesmann in der Frankenpost im April 2005. „Er erzählt keine Märchen, sondern verknüpft vielmehr Wirkliches mit Erdachtem, Erlebtem und Gehörtem. Otto Knopf ist also einer, der den Leuten aufs Maul schaut, und mit deren Gepflogenheiten, Schwächen und Stärken bestens vertraut ist. Otto Knopf ist aber keiner, der schadenfroh die Feder zückt, sondern humorvoll,
zuweilen mit tief schürfenden, auch romantischen Betrachtungen um Verständnis wirbt, wenn es „menschelt“.
Anlässlich seines 100. Geburtstages widmen wir uns in einer Ausstellung seinem literarischen Werk auf besondere Weise: Im ersten Obergeschoss werden Patchwork-Arbeiten gezeigt, die von seinen Texten inspiriert sind und seine Worte in Farben, Formen und Stoffe übersetzen.